Haggai 16

In einem Lied der der Düsseldorfer Punk-Rock-Band „Die Toten Hosen“ lautet ein Text folgendermaßen:
„Was für ’ne blöde Frage, ob das wirklich nötig ist.
Ich habe halt zwei Autos, weil mir eins zu wenig ist.
Sie passen beide in meine Garage, für mich ist das
Grund genug. Was soll ich sonst in diese Garage
neben meiner Riesen-Villa tun? Die Geräte für den
Swimmingpool liegen schon im Gartenhaus und die
Spielzeugeisenbahn ist im Keller aufgebaut.
Jeden Sonntag zähle ich mein Geld, und es tut mir
wirklich gut, zu wissen wieviel ich wert bin, und ich
bin grad hoch im Kurs. Ich hatte mehr Glück als die
meisten, habe immer fett gelebt. Und wenn ich
wirklich etwas wollte, hab‘ ich’s auch gekriegt!
Warum werde ich nicht satt?“
Auch der Prophet Haggai hält dem Volk Israel vor Augen, dass alle materiellen Güter, die sie in ihrem Leben
angehäuft haben, nicht wirklich satt, sitt, warm oder wohlhabend machen. Sie sind kein Garant für ein erfülltes
Leben. Die Israeliten waren nach 70 Jahren des Exils wieder in ihr Heimatland zurückgekehrt. Nach anfänglichen
guten (knapp 20) Jahren des Enthusiasmus und Euphorie folgte eine lähmende Ernüchterung in dem kargen
Land, dessen Äcker nie genug Ertrag abwarfen, um richtig satt zu werden. Die Menschen wurden egoistischer
und jeder versuchte, „seine Schäfchen ins Trockene zu bringen“. Hauptsache MEINE Bedürfnisse werden
befriedigt. Oder wie es in einem Kirchenlied von Theo Lehmann und Jörg Swoboda heißt: „Erst komm ich und
dann komm ich. Pausenlos geht es um mich“.
Aber so funktioniert keine Gesellschaft, keine Gemeinde, keine Familie oder Partnerschaft. Deshalb muss Haggai
dem Volk Israel eine klare Botschaft verkünden und macht dem Volk klar, dass der Mangel im Land daher rührt,
dass sie die falschen Prioritäten gesetzt haben. SEGEN werden sie erst erleben, wenn sie Gott wieder den ersten
Platz in ihrem Leben einräumen und sich für das Wohl des/der Nächsten einsetzen. Weg vom EGOISMUS.
Bei Haggai ist das Zeichen der Umkehr der Beginn des Tempelbaus, als Zeichen der Nähe Gottes. In dem Lied
von Theo Lehmann und Jörg Swoboda ist es „Gottes Geist, der mich aus dem Strudel reißt“.
Die Frage für mich und vielleicht auch für dich am Ende dieser Andacht lautet: „Will ich mich von Gott aus
meinem Strudel reißen lassen?“ oder „Will ich lieber weiterhin vor mich her wurschteln?“ auch auf die Gefahr
hin, dass ich nicht wirklich nicht wirklich satt, sitt, warm oder wohlhabend werde.

Rainer Eisen