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Ansteckende Kraft des Glaubens Ansteckende Kraft des Glaubens Beliebt

Im Februar 2019 wird in Essen das Chormusical Martin Luther King uraufgeführt. Die Texte stammen von Andreas Malessa. Einige kennen ihn von Themenabenden in den letzten Jahre in unserer Gemeinde. Der Titel des Musicals: "Ein Traum verändert die Welt."
Wir hörten vorhin die starken Bilder in der berühmten Rede von Martin Luther King. Hörten, was sie bewirkten und veränderten (Aufhebung der Rassentrennung, Einführung des Wahlrechts für alle).
Woher nahm Martin Luther King diese Bilder? Wie sind sie in ihm gewachsen? Und wie können Bilder für heute in uns wachsen? Und was können sie verändern?
Dazu habe ich eine kurze Gesprächsszene zwischen Jesus und seinen Jüngern mitgebracht. Lukas berichtet sie in seinem Evangelium.
Wir hören Gottes Wort:
5 Die Apostel baten Jesus, den Herrn:
»Stärke unseren Glauben.«
6 Der Herr aber sagte:
»Wenn euer Glaube nur so groß ist wie ein Senfkorn,
könnt ihr diesem Maulbeerbaum befehlen:
›Zieh deine Wurzeln aus der Erde
und verpflanze dich ins Meer!‹ –
und er wird euch gehorchen.«
o    Alles kann sich ändern
Mit Humor greift Jesus zu fantastischen Bildern, und malt die Wirkkraft des Glaubens aus.
Wenn jemand damals sagen wollte, dass er etwas für unmöglich hielt, sagte er: „Bevor das passiert, schlägt ein Baum im Meer Wurzeln“. Ein Baum, der sich im Meer verwurzelt, galt damals sprichwörtlich als unmöglich.
Als Steigerung spricht Jesus von einem Maulbeerbaum. Jeder wusste damals, dass ein Maulbeerbaum besonders breit und tief wurzelt. Ein Maulbeerbaum musste doppelt so weit von einer Quelle angepflanzt werden wie alle anderen Bäume. Das war Vorschrift. Damit seine Wurzeln sich nicht das Wasser aus dem Brunnen saugten.
Der Stamm eines Maulbeerfeigenbaum erreicht einen Durchmesser von einem Meter. Sein Holz ist hart und beständig. Ihn zu fällen, ist selbst mit geeigneten Werkzeugen und ausreichender Kraft keine Kleinigkeit. Er steht fest verwurzelt. Den kann niemand einfach so entwurzeln.
»Wenn euer Glaube nur so groß ist wie ein Senfkorn, könnt ihr diesem Maulbeerbaum befehlen: ›Zieh deine Wurzeln aus der Erde und verpflanze dich ins Meer!‹ – und er wird euch gehorchen,« sagt Jesus.
Was für eine Behauptung! Das heißt, eigentlich sind es zwei. Jesus meint: Glaube reicht! Und für Glaubende ist Unmögliches möglich!
Wie viele Dinge im Leben halten wir für fest verwurzelt - wie einen Maulbeerbaum? Da bewegt sich nichts. Da ist alles eingefahren, wie immer, unverrückbar.
Eine fest zementierte Feindschaft zwischen zwei Familien vergiftet die Atmosphäre über Generationen und macht Versöhnung unmöglich. Eine angespannte Situation an der Arbeitsstelle blockiert notwendige Veränderungen.
Zwei Menschen haben sich in einer hoffnungslosen Beziehung verflochten und verfangen, wie in ein tausendfach verästeltes Wurzelwerk. Es hält die zwei fest und lässt sie nicht mehr los. Eine lange Krankheit zehrt am Körper und saugt langsam aber sicher die Kräfte aus, wie der Maulbeerbaum das Wasser der Quelle wegsaugt.
Einige halten Hass für eine Meinung, Grobheit für Entschlossenheit, Tabubrüche für Aufrichtigkeit.  Längst darf man sagen, was vor gar nicht langer Zeit noch unsagbar gewesen wäre. Nicht nur Lehrer beklagen eine Verrohung der Sprache.  
Wie kann sich da etwas ändern? Das ist doch hoffnungslos. Unverrückbar, wie ein großer Baum, der nicht wankt und weicht.
o    Senfkorn-Glaube
»Wenn euer Glaube nur so groß ist wie ein Senfkorn, könnt ihr diesem Maulbeerbaum befehlen: ›Zieh deine Wurzeln aus der Erde und verpflanze dich ins Meer!‹ – und er wird euch gehorchen,«
Welche Aussicht. - Welche verrückte Aussicht! Das Unmögliche klingt auf einmal so leicht, so normal.
Mit Humor malt Jesus die Wirkkraft des Glaubens aus. Ein Senfkorn war das damals kleinste bekannte Samenkorn. Mit bloßen Auge gerade noch so zu sehen, galt es als die kleinste wahrnehmbare Menge.
Wenn der Glaube nur so klein ist wie ein Senfkorn, liegt in diesem winzigen Samen doch die Verheißung von Reife und Größe. Im Allerkleinsten ist schon alles da. Das Wissen um Erde und Himmel, Wasser und Luft, die Sehnsucht der Wurzeln nach dem Boden und der Blätter nach der Sonne.
Glaube ist kaum wahrnehmbar, aber seine Macht ist unendlich. Das klingt wie eine Einladung von Jesus, Glauben als eine mächtige Kraft zu verstehen. Als eine Kraft, die Unglaubliches kann.
Wollte man an einem Senfkornsamen ablesen, wozu es in der Lage ist, käme man über vage Vermutungen nicht hinaus. Ein kleiner schwarzer Punkt, nicht größer als ein Sandkorn, gewichtlos, bedeutungslos.
Auf den Glauben bezogen sagt Jesus damit, Glaube ist nicht vorweisbar. Darum sollten wir auch aufhören, die Kraft unseres Glaubens einschätzen zu wollen. Vielmehr können wir gelassen und selbstverständlich davon ausgehen, dass im Glauben bereits alles angelegt ist. Die Jünger brauchen nicht mehr Glauben. Einfach zu vertrauen reicht!
Humorvoll treibt Jesus das Bild auf die Spitze. »Wenn euer Glaube nur so groß ist wie ein Senfkorn, könnt ihr diesem Maulbeerbaum befehlen: ›Zieh deine Wurzeln aus der Erde und verpflanze dich ins Meer!‹ – und er wird euch gehorchen.«
Alte Bäume vertragen es nicht, verpflanzt zu werden. Welchen Aufwand betreiben Gartenfachbetriebe z.B. einen alten Olivenbaum oder eine alte Kiefer zu verpflanzen. Und können trotzdem nicht sicher sagen, ob er den neuen Platz annehmen wird.
In dem Beispiel, das Jesus erzählt, soll der Maulbeerbaum ohne besondere Vorkehrungen an einen nicht gerade besonders geeigneten Standort verpflanzt werden - mitten ins Wasser. Soll sich in dem festmachen, was nicht fest ist. Er soll Wurzeln schlagen, in dem was Wurzeln faulen lässt. Soll Halt finden, wo kein Halt zu finden ist.
o    Realitätstest
»Wenn euer Glaube nur so groß ist wie ein Senfkorn, könnt ihr diesem Maulbeerbaum befehlen: ›Zieh deine Wurzeln aus der Erde und verpflanze dich ins Meer!‹ – und er wird euch gehorchen.«
So gewinnend die Bilder sind, die Jesus beschreibt - stimmen sie mit der Realität überein? Ist für Glaubende das Unmöglichste möglich? Habt ihr schon erlebt, dass etwas, das völlig unmöglich schien, überraschend möglich wurde?
Zum Zeitpunkt von Kings historischer Rede konnten zwei von drei Afroamerikanern nicht wählen, durften Schulen nicht zusammen mit Weißen besuchen, nicht mit ihnen im Kino sitzen oder dieselbe öffentliche Toilette benutzen.
Die Rassentrennung in den Vereinigten Staaten dauerte bereits 200 Jahre an und war tief verwurzelt. Und doch brach sie in wenigen Jahren auf.
Genau fünfzig Jahre nach Kings berühmter Rede fand an gleichem Ort in Washington eine Gedenkzeremonie statt. Auf den Stufen des Lincoln-Denkmals würdigte Barack Obama, der erste farbige Präsident der USA, Kings Kampf gegen Rassismus. Neben Obama bekleideten mehrere Afroamerikaner hohe politische Ämter.
Im Herbst 1964 besuchte Martin Luther King das geteilte Berlin. Er predigte in der Waldbühne in Westberlin und in zwei Kirchen in Ostberlin. Er sagte einprägsam: "Auf beiden Seiten der Mauer leben Gottes Kinder, und keine durch Menschenhand gemachte Grenze kann diese Tatsache auslöschen."
Und trug den Christen in Berlin auf: "Es ist der Glaube, den ich euch Christen hier in Berlin anbefehle, ein lebendiger, aktiver, starker, öffentlicher Glaube, der den Sieg Jesu Christi über die Welt bringt, ganz gleich ob es eine östliche oder eine westliche Welt ist."                                  
25 Jahre später, im September 1989 schien es noch unmöglich, dass die Mauer, die Berlin teilte, fallen würde. Für die allermeisten war die Grenze damals etwas Unverrückbares. Und dann wurde über Nacht das Unmögliche möglich: Die Öffnung der Mauer! Kaum zu fassen! Unglaublich!
Unverrückbar, wie ein Maulbeerbaum, scheint vieles im Leben. Aber Jesus sagt: Wer glaubt, sieht nicht nur den Baum. Wer glaubt, sieht auch die Möglichkeit, dass sich alles ändern kann! Nichts muss so bleiben, wie es ist. Oder wie es scheinbar immer war. Wir brauchen nicht mehr als Vertrauen.
Worauf wir vertrauen können? Dass die Sonne aufgeht. Dass es ergiebiger ist, an Gott zu glauben als nichts zu glauben, denn das Nichts hat nicht viel zu bieten. Dass Fahrradfahren auch ohne Stützräder möglich ist. Dass es Rettung gibt. Dass das Leben heller wird, wenn man beschließt, die Enttäuschungen in den Wind zu streuen. Dass zu tun, als ob, ein Anfang ist. Dass die Sterne auch dann da sind, wenn man sie nicht sieht. Dass die Erfahrung manchmal eine gute Ratgeberin ist. Dass es keine Garantie gibt. Dass Vertrauen die einzige Alternative ist, wenn man nicht verrückt werden will.
Alle Veränderungen haben mit Vertrauen begonnen. Der Senfkorn-Glaube stand am Anfang. Der Senfkornglaube vieler entwurzelte die Maulbeerbäume von Rassentrennung und Diktatur.
Der Senfkornglaube gibt Kraft, das zu tun, was wir für unmöglich hielten. Und zu vertrauen, dass Gott hilft. In diesem Sinn formulierte Corrie ten Boom: „Herr, hab Dank, dass du nicht einen großen Glauben verlangst, sondern Glauben an einen großen Gott.“.
o    Wo wachsen die Senfkörner?
Und woher kommt dieser Glaube? Wo wachsen die Senfkörner, die wir Tag für Tag brauchen? Wie können Bilder in uns wachsen, die uns helfen, Situationen zum Guten zu verändern?
In Martin Luther King, in Rosa Parks wie in den Menschen, die sich im Herbst 1989 zu Friedensgebeten trafen wuchsen diese Samenkörner aus Hoffnungsbildern der Bibel und der Erfahrung von Menschen, die vor ihnen lebten.
Uns geht es nicht anders. Wir finden die Senfkörner vor allem in Geschichten der Bibel. Vielleicht nimmt jemand beim Bibellesen wahr: „Ich selbst kann noch nicht über die Mauer in die Freiheit springen, aber im Psalm höre ich: Es hat schon Menschen gegeben, denen das gelungen ist“ (Psalm 18,30b). Wir erfahren von Menschen, die gesund wurden, obwohl eine Krankheit jahrelang an ihrem Körper und ihrer Seele zehrte. Wir hören von Menschen, denen nach blutiger Feindschaft die Versöhnung gelungen ist.
Ihre Geschichten, ihre Erfahrungen wecken in uns die Hoffnung, dass es auch bei uns heute so sein könnte. Wir haben den Neubau der Stadtbücherei in unmittelbarer Nähe zu unserem Gemeindehaus miterlebt. In neuen, ansprechenden Räumen kann man Bücher und andere Medien ausleihen. Die Geschichten der Bibel sind so etwas Ähnliches. Man kann in ihnen etwas ausleihen. Hoffnung und Kraft, die wir für heute benötigen.
Und wir brauchen die Erfahrung von Menschen, die vor uns lebten. Die Vorbilder für uns sein können.
In diesem Sinn erinnerte Außenminister Heiko Maas letzten Dienstag nach den Ausschreitungen in Chemnitz an Martin Luther King. Vor exakt 55 Jahren habe US-Bürgerrechtler Martin Luther King seine Rede über den Traum von Gleichberechtigung gehalten, so Maas. Wegen radikaler Hetzjagden gebe es aber noch viel zu tun, um diesen Traum zu verwirklichen.
Martin Luther King hatte nicht nur den Traum von Gleichberechtigung. Er träumte auch von fairen Lebensbedingungen für alle. Er plante einen Marsch der Armen nach Washington. Schwarze wie weiße Saisonarbeiter, Müllmänner, Arbeitslose sollten in der Nähe des Lincoln Memorials aus Hütten eine "Stadt der Auferstehung" errichten. "Wir werden der Regierung der reichsten Nation in der Geschichte der Menschheit die Probleme der Armen vors Haus legen," kündigte er an.
Der Mord an ihm verhinderte, dass er seinen Plan umsetzen konnte. Sein engster Freund und Mitarbeiter, Ralph Abernathy, machte kurz nach Kings Tod einen ersten Versuch. Er war damit leider nicht besonders erfolgreich. Danach gab es immer wieder Kampagnen für  Arme, die King "Poor Peoples Campaign" nannte.  Dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht, verdeutlicht, auch hier gibt es noch viel zu tun, um diesen Traum von fairen Lebensbedingungen für alle zu verwirklichen.
Vieles im Leben scheint unverrückbar zu sein, wie ein Maulbeerbaum. Aber Jesus sagt: Wer Glauben hat, und sei er nur so groß wie ein Senfkorn, für den gibt es nicht nur den Baum. Wer Gott vertraut, der sieht auch die Möglichkeiten. Sieht, was werden kann. Hält für möglich: Alles kann sich ändern.
Manchmal schwindet uns der Glaube daran. Manchmal müssen wir Zeiten aushalten, die reich an Fragen und arm an Antworten sind. Die uns die Sprache verschlagen.
Aber wir können neugierig bleiben, Fragen stellen, vorsichtig sein gegenüber schnellen und glatten Antworten. Können uns anstecken lassen von der Erfahrung anderer, die uns teilhaben lassen an den vielen Senfkörnern des Glaubens. Und wir können uns anstecken lassen von der Hoffnung, die uns aus Geschichten der Bibel entgegen wächst.
Bis wir wieder selbst neu vertrauen.
Und unsere Träume zu Taten werden.

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Erstelldatum01.09.2018 11:47:16
Erstellt vonPeter Arpad
Änderungsdatum09.10.2018 09:49:26
Geändert vonPeter Arpad

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