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Josef - ein Mann traut seinen Träumen Josef - ein Mann traut seinen Träumen

In unsere Kalendern kommt Weihnachten eine besondere Rolle zu. Es wird mit zwei arbeitsfreien Tagen gefeiert. Im christlichen Kalender gibt es im Zeitraum vom Weihnachtsabend (25. Dezember) bis zum Morgen des 6. Januar (Epiphanie) sogar 12 Weihnachtstage.  Teilweise auch als zwölf heilige Nächte bezeichnet. In dieser Zeit sollen Träumen besondere Bedeutung zukommen.
Der Volksmund sagt: Träume sind Schäume. Warum misstrauen wir Träumen, teilweise auch als Christen? Wo doch Träume deuten Gottes Sache ist, wie wir bereits am Anfang der Bibel erfahren!  Und die Bibel vielfältig bezeugt, dass Träume Menschen innere Gewissheit geben, ihnen sagen, was dran ist, ihnen die Richtung angeben, in die sie gehen sollen. So ist auch die Geburt Jesu von vielen Träumen umgeben.
In den letzten Gottesdiensten haben wir uns mit Szenen aus dem Leben von Menschen der Advents- und Weihnachtszeit beschäftigt. Zacharias, Elisabeth, Maria, Jesus. Heute wollen wir vier Szenen aus dem Leben von Josef bedenken. Er wird als ein Mensch geschildert, der in einem gerade für Männer ungewöhnlichen Maß auf seine Träume achtete. Durch Träume seinen Weg erkannte und ihn ging. Sich durch seine Träume bestimmen ließ, zu bleiben, auszuharren und anzunehmen, was ihm aufgetragen war.
o    Josefs erster Traum: seine Rolle klärt sich
Josefs erster Traum führt uns in die Adventszeit zurück. Die unerwartet eingetretene Schwangerschaft von Maria, belastete ihre Liebe. Was ging ihm damals nicht alles durch Kopf und Herz. Und dann die überraschende Lösung im Traum.
"Josef nahm sich vor, die Verlobung aufzulösen, wollte es jedoch heimlich tun, um Maria nicht bloßzustellen. Während er sich noch mit diesem Gedanken trug, erschien ihm im Traum ein Engel des Herrn und sagte zu ihm: »Josef, Sohn Davids, zögere nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen! Denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn zur Welt bringen. Dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk von aller Schuld befreien.«
Als Josef aufwachte, folgte er der Weisung, die ihm der Engel des Herrn gegeben hatte, und nahm Maria als seine Frau zu sich."  
Josef träumte, dass er Maria mit ihrem Kind annehmen könne. Und er ringt sich durch, auf alles zu pfeifen, was man tut. Nimmt sich die Freiheit, zu seiner Liebe ja zu sagen und bekennt sich zu Maria und dem Kind.
Für Josef klärt sich im Traum, dass er würdig, wichtig und nötig ist, um das Kind groß zu kriegen. Er soll dem Kind den Namen geben und so unmissverständlich zum Ausdruck bringen: Das ist mein Kind!
Josef erwacht aus dem Schlaf und weiß um seine Aufgabe. In ihm ist etwas gereift. Er begreift seine Rolle und nimmt sie an. Die tiefe Einsicht in der Nacht hat ihm klar gemacht, dass er eine große Verantwortung trägt. Gottes Geschichte mit seiner Welt geht weiter. Und Josef hat seinen Anteil daran.
Wie können wir uns diese Szene in der Nacht vorstellen? Sah Josef einen Engel und hörte den Auftrag: Bleib Maria treu!?
Auffallend ist, dass diese Engelbotschaft nachts im Traum geschah. Was geschieht denn mit uns im Schlaf? Wir denken uns die Welt zurecht, oder vielleicht denkt sich die Welt uns zurecht - jedenfalls ist der Morgen oft klüger als der Abend. Und wir haben eine neue Sicht der Dinge, weil sich in uns die Gewichte zurechtgerückt haben. Im Schlaf steigen die Chancen der Engel, dass wir auf ihre Einrede hören.
Josef hatte nach dem Traum nicht mehr Wissen. Und doch war er in seinem Handeln entschlossen. Auf einer Spruchkarte las ich: „Wichtig ist nicht, was wir voneinander wissen. Wichtig ist, was wir füreinander bedeuten.“ Und hier hatte der Traum eine Klärung gebracht. Alles ist wieder gut geworden zwischen Josef und Maria.
Wenn wir das, was wir von Josef hören, aus unserer Sicht als Männer bedenken, stellt sich die Frage: Welcher Mann ist fähig, innere Erfahrungen so ernst zu nehmen, dass er nach ihnen handelt? Noch dazu, wenn diese Weisung die eigene Einsicht und das eigene Urteil in Frage stellt?
War dies Josefs Kind? Offenbar nicht. Und doch blieb er. Und nahm um dieses Kindes willen das Schicksal eines Flüchtlings auf sich, eines Gehetzten und Bedrohten, der mit allem rechnen musste.
o    Josefs zweiter Traum: rettet Leben
Wohl einige Wochen nachdem das Kind in Bethlehem geboren war, "erschien Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: »Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten! Bleib dort, bis ich dir neue Anweisungen gebe. Denn Herodes wird das Kind suchen lassen, weil er es umbringen will.«"
Genügte es nicht, dass er wegen der Volkszählung die Reise nach Bethlehem unternehmen musste? Genügte es nicht, dass seine Werkstatt in Nazareth wochenlang leer stand? Nun auch noch nach Ägypten, und das für Jahre! Und wieder ist da diese erstaunliche Bereitschaft von Josef, zu hören und zu vertrauen. Er steht auf und geht. Und alles wegen dieses Kindes, das nicht sein leibliches Kind war.
Josef hörte im Traum die Warnung, stand mitten in der Nacht auf und machte sich mit dem Kind und dessen Mutter auf den Weg nach Ägypten. Dort blieb er bis zum Tod des Herodes, also rund drei Jahre.
Hätte es den Mann Josef nicht gegeben, hätte das Heil in dieser Welt nicht die geringste Chance gehabt. Josef aber hört auf die Botschaft eines Traums, und macht sich auf, ohne genau zu wissen wohin. In dem Vertrauen, dass Gott bei ihm sein wird, egal wohin der Weg ihn führt.
Was Josef in Ägypten erwartet, kann er nur ahnen. Was er voraussehen kann ist: Er muss in der Fremde eine Wohnung nehmen, weit entfernt von seinen Bekannten, dem Volk, dessen Sprache er spricht, seinem vertrauten beruflichen Alltag.
Aber im Vertrauen auf Gott fliehen Josef und Maria. Mit dem wohl einige Wochen alten Kind verließen sie vorsichtig Bethlehem, die Stadt war ja voll Soldaten. Kamen über Hebron und Beerscheba nach Gaza, das wir aus den Nachrichten kennen.
Und auf der alten Flüchtlingsstraße durch den Sinai an die ägyptische Grenze. Dort warteten manche Asylsuchende Wochen und Monate, bis sie über die Grenze durften. Und was danach in Ägypten auf sie zukam, war wohl Mühsal und Arbeit.
o    Josefs dritter Traum: Aufbruch
Die Geschichte Josefs geht weiter. Als Herodes gestorben war, erschien der Engel Josef in Ägypten zum dritten Mal im Traum und sagte: "Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und geh wieder nach Israel! Denn die, die dem Kind nach dem Leben trachteten, sind tot."
Da stand Josef auf und kehrte mit dem Kind und dessen Mutter nach Israel zurück.  
Was sich so selbstverständlich anhört, wird nicht ohne Zweifel und Angst geblieben sein. Zumindest erfahren wir, dass Josef sich fürchtete, nach Bethlehem zurückzukehren. Denn er hörte auf dem Heimweg, dass nun der Sohn des Herodes in Judäa König war. Wie der Vater so der Sohn, dachte er wohl.
o    Josefs vierter Traum: konkrete Weisung
Da erhielt er im Traum eine Weisung von Gott, er solle nach Galiläa gehen. Und so kehrte er endlich nach Nazareth zurück.  
Vier Träume von Josef. Und jeder Traum hatte eine konkrete Auswirkung auf sein Handeln. Vier Weisungen. „Zögere nicht!“ „Steh auf!“ „Geh!“ Und viermal hat Josef sich von seinem Traum bestimmen lassen.
Das spricht für seine Standfestigkeit, seine Treue, seine Hingabefähigkeit. Es zeichnet ihn als einen Menschen, der seine Innenseite wach wahrnimmt.
Und wir fragen uns, wer überhaupt in diesem Maß bereit und fähig ist, sich durch Träume führen zu lassen. Welche Wachheit gehört dazu! Welche Aufmerksamkeit! Welche Fähigkeit, die eigene Meinung in Frage zu stellen und den eigenen Willen zurück zu stellen!
o    Bedeutung unserer Träume
An den Träumen von Josef nehmen wir wahr: Träume wollen sich in die Realität unseres Lebens auswirken.
Dabei haben Träume in der Bibel eine doppelte Bedeutung. Zum einen enthüllen sie uns die Wahrheit über uns und über andere Menschen, über unseren persönlichen Zustand und über das Geheimnis unseres Lebens. Träume korrigieren und ergänzen unsere bewusste Sicht, eröffnen aber auch ganz neue Horizonte.
Träume lassen die Wirklichkeit in ihrem wahren Licht erscheinen. Gott zeigt uns im Traum die Wahrheit, zieht den Schleier weg, der über der Wirklichkeit liegt. Bis dahin, dass Träume Orte direkter Gottesbegegnung werden können.
Zum anderen sind Träume konkrete Weisungen. Gott weist uns im Traum darauf hin, was wir tun und welchen Weg wir einschlagen sollen. Er zeigt uns, wie wir uns entscheiden sollen, und hilft uns so, eine Orientierung in unserem Leben zu finden.
Im Traum ist unsere eigene Aktivität ausgeschaltet oder zumindest stark vermindert. Wir haben das Heft nicht mehr in der Hand. Und so kann Gott leichter in unser Leben einbrechen.
Allerdings sind Träume nicht eindeutig. Im Traum kommen Signale aus tiefen Schichten unserer Seele ins Bewusstsein. Und manchmal kommen die Zeichen, Bilder und Signale von Gott.
In den letzten Jahren nimmt die Einsicht zu, dass Träume keineswegs Schäume sind. In Träumen spielen Kräfte unserer Seele, kämpfen, drücken sich aus, tauchen auf und gehen weg. Im Traum berühren sich unsere Vergangenheit und unsere Zukunft.
Der Traum, den wir schlafend träumen, erzählt von der Vergangenheit, von unserer Kindheit, von dem was wir am Tag erlebt haben. Vergessenes kommt zum Vorschein, Verdrängtes schafft sich Raum, Verschüttetes wird frei. Die Traumbilder helfen zu verarbeiten, reden und malen. Manchmal bewirken sie Veränderungen, warnen, geben Hoffnung.
Träume sind die Sprache unserer Seele. Manchmal jedoch gibt es Träume, in denen nicht unsere eigene Seele, sondern Gott zu uns spricht. Solche Träume rufen uns zur Umkehr, zum Umdenken, zum Aufbruch. Ermutigen zu einer bestimmten Tat, zu bestimmten Worten, die wir sagen sollen.
Ich erinnere mich sehr deutlich an eine Situation, in der ich eine weit reichende Entscheidung treffen musste. Und in der ich erlebt habe, dass ein Traum mich gewiesen, getröstet, aufmerksam gemacht hat. Nach dieser Erfahrung finde ich die Berichte über Josefs Träume nicht merkwürdig.
Zu jedem von uns kann Gott in der Sprache der Träume reden. Auch wenn wir diese Sprache etwas vergessenen haben. Wir müssen nur auf unsere Träume achten, damit wir nicht überhören, was Gott uns sagen will. Wir dürfen ihn bitten, unsere Träume zu unterscheiden. Wenn wir nicht sicher sind, ob der Traum einfach die Sprache unserer Seele war, oder ob Gott durch den Traum zu uns sprechen wollte. Wir können ihn bitten, einen Traum, der von ihm ist, zu deuten, die Bedeutung des Traumes für unser Leben zu verstehen. Denn Träume können Botschaften Gottes in der Sprache der Seele sein.
Martin Luther King, dessen 90. Geburtstag wir in zwei Wochen gedenken, erzählt wie ihn eine solche Botschaft Gottes in einer schlaflosen Nacht erreichte: „Ich konnte nicht schlafen. Es war mir, als bräche alle Angst und Not der letzten Wochen auf einmal über mich herein. Ich war am Ende meiner Kraft. Ich saß am Küchentisch und grübelte darüber nach, wie ich von der Bildfläche verschwinden könnte, ohne als Feigling zu erscheinen.
In diesem Zustand äußerster Erschöpfung und völliger Mutlosigkeit legte ich Gott meine Not hin. Den Kopf in den Händen, betete ich laut. Die Worte in dieser mitternächtlichen Stunde sind mir noch in lebendiger Erinnerung: »Herr, ich glaube, dass ich für eine gerechte Sache kämpfe. Aber ich habe jetzt Angst. Ich kann nicht mehr weiter. Ich habe einen Punkt erreicht, wo ich es allein nicht mehr schaffe.«
In diesem Augenblick erlebte ich die Gegenwart Gottes wie nie zuvor. Mir war, als hörte ich eine innere Stimme, die mir Mut zusprach: »Steh auf für die Gerechtigkeit! Steh auf für die Wahrheit! Und Gott wird immer an deiner Seite sein!« Fast augenblicklich waren meine Ängste dahin. Meine Unsicherheit verschwand. Ich war bereit, allem ins Auge zu sehen. Die Furcht klopfte an die Tür. Der Glaube antwortete. Niemand trat ein.“
Was Martin Luther King erlebte, gilt über die einmalige Situation hinaus. Es entsteht eine Gelassenheit und Ruhe, die ohne den Traum nicht entstünde. Wir erleben, wie in uns eine neue Achtsamkeit entsteht, eine Art anhaltende Geistesgegenwart, durch die wir unabhängig werden von den Meinungen um uns. Und durch die wir nicht nur besser verstehen, wer wir selbst sind, sondern auch, was durch uns geschehen soll.
o    Tagträume
Neben Träumen in der Nacht kennen wir auch Tagträume. Sie bereiten die Zukunft vor, deuten die Zukunft, malen Bilder einer künftigen neuen Ordnung, einer künftigen Welt. Tagträume erfassen oft eine ganze Generation. Als ob irgendetwas in der Luft liegt. Irgendetwas neu gesehen und verstanden werden will.
Philipp Potter, der frühere Generalsekretär des Weltkirchenrats, sagte einmal: „Ich glaube, es wird Änderungen geben und zwar aus dem sehr einfachen Grunde, dass es immer mehr Menschen auf der Welt gibt, die nicht mehr akzeptieren, was ist.“
So wurde Martin Luther Kings Traum von der Gleichberechtigung von schwarzen und weißen Bürgern Amerikas von Hunderttausenden aufgegriffen. Ähnlich wie zuvor der Gedanke von den Freiheitsrechten versklavter Menschen in Millionen gleichzeitig wach wurde. Oder später der Traum vom Frieden, von Abrüstung, von Völkerverständigung, von der Wiedervereinigung, von Demokratie, von Wahrung der Menschrechte, von der Bewahrung der Schöpfung.
Der Tagtraum zeigt einen Weg, dessen Ziel in der Zukunft liegt. Wie etwa Jesus in starken, wirksamen Bil¬dern aus der Gegenwart die Zukunft Gottes schildert, die Verwandlung der Welt.
Seine Bilder und Geschichten vom Reich Gottes haben unsere Sicht von der Zeit verändert, von der Erde, von uns selbst, vom Zusammenleben der Menschen. Gott schafft sein Reich. Verwandelt die Schöpfung. Gott wird verwandeln, was an uns unzureichend blieb.
Das Reich Gottes entsteht nicht dadurch, dass wir es bauen. Jesus trägt uns vielmehr auf, darum zu bitten, dass es kommt. Und Gott vollendet, was bereits angebrochen ist. Wenn es soweit ist, werden wir sein wie die Träumenden.  
Der nächtliche Traum des Schlafenden wie die Tagträume wacher Menschen sind Mittel in Gottes Hand. Der Träumende wird durch seinen Traum wach. Er träumt von einem Weg. Und wenn er erwacht, geht er ihn wacher als zuvor.
Ich wünsche uns, dass es uns gelingt, auf unsere Träume zu achten, wie Josef. Der Mann, der seinen Träumen traute.

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Erstelldatum30.12.2018 15:41:48
Erstellt vonPeter Arpad
Änderungsdatum20.01.2019 08:55:58
Geändert vonPeter Arpad

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