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La Gazetta 17 / 2015 La Gazetta 17 / 2015 Beliebt

Mahnmal für den Frieden, 1.Teil West.Kunst eröffnete gestern den „Friedensnobelpreisträgerring“
Die Herringer Künstlerinitiative West.Kunst hatte eine richtig geniale Idee. Sie konzipierte das Langzeitprojekt „Friedensnobelpreisträgerring“ und entwickelte dabei gleich auch noch den künftigen Friedenspark an der Dortmunder Straße Ecke Fritz-Husemann-Straße mit. Sonntag fand um 15.00 Uhr ein bedeutender Auftakt statt. West.Kunst hatte eingeladen und gekommen waren knapp 100 richtig Interessierte. Auch wir, das Ehepaar Reumke wurden gefragt, ob wir die Patenschaft zu einem der Friedensnobelpreisträger übernehmen wollten. Wir wollten und zwar die Patenschaft für Nelson Mandela. Christiane und ich waren noch nie Pate. Jetzt sind wir es und zwar für Nelson Mandela und einem Kunstwerk, das von Jockel Reisner erschaffen wurde. Christiane und ich haben uns bekanntlich durch die Arbeit in der Friedensbewegung kennen, schätzen und lieben gelernt. Wir haben ganz bewusst am Antikriegstag, dem 1.September vor 25 Jahren geheiratet. Zur Hochzeit hat ein befreundeter Förster einen Friedensbaum gepflanzt. Gerade für mich waren in der Zeit des Erwachsenwerdens Menschen wie Nelson Mandela, Martin Luther King, Ho Chi Minh, Che Guevara, Rosa Luxemburg, Richard von Weizäcker und viele mehr stark persönlichkeitsprägend. Es war uns daher eine wichtige Erinnerung, eine politische Bestandsaufnahme und Ehre, mit zu den Ersten zählen zu dürfen, die an der Entstehung eines großartigen Kunstprojekts beteiligt sind.
Erinnern wir uns: Nelson Mandela wurde am 18.Juli 1918 geboren. Der erste Weltkrieg „lag in den letzten Zügen“, Deutschland musste sich neu orientieren. Mandela starb am 05.Dezember 2013 als 95jähriger. Dazwischen lag ein Leben, ein Engagement, das so wahrscheinlich noch nie ein Mensch geführt hatte. Mandela studierte und wurde Rechtsanwalt in einer Gesellschaft, in der Schwarze diskriminiert und unterdrückt, in denen den Schwarzen keine gesellschaftliche Emanzipation zugestanden wurde.
Mandela näherte sich langsam und stetig dem A.N.C. einer schwarzen Bürgerrechtsorganisation an, wuchs in sie hinein, übernahm Aufgaben und Funktionen. Später wurde er ihr Vorsitzender. 1949 gewann die nationalistische Partei die Wahlen in Südafrika. Die Schwarzen waren bekanntlich nicht wahlberechtigt. Die Nationalisten entwickelten die Apartheid zur rassistischen und terroristischen Unterdrückung und Ausbeutung der schwarzen, der indischen und farbigen Bevölkerung. Sie standen den italienischen und deutschen Faschisten sehr nahe. 1963 wurde Nelson Mandela und weitere führende Mitglieder des ANC verhaftet und zu lebenslänglichem Kerker verurteilt. Sie kamen auf die Gefängnisinsel Roben Island, wo sie weiteren Schikanierungen und Diskriminierungen ausgesetzt waren. Nelson Mandela und seine Kampfgefährten gaben nie auf. Sie gründeten im Gefängnis die „Mandela-Universität“ und setzten sich mit gesellschaftswissenschaftlichen Themen so auseinander, dass auch die übrigen Gefängnisinsassen und später Teile des Personals davon partizipierten. Nelson Mandela und seine Freunde waren insgesamt 27 Jahre inhaftiert.
Das ist eine unvorstellbar lange Zeit. In
Deutschland beispielsweise bedeutet
lebenslänglich heute unter normalen
Umständen 15 Jahre Haft in Zellen mit
Mindeststandards. Die Zelle von Mandela
war gerade mal 2 qm groß.
Am 11.Februar 1990 wurden Mandela
und seine Mitstreiter aus der Gefängnishaft
entlassen. Da waren die Reumkes
schon länger als ein Jahr verheiratet.
Dazwischen lagen lang anhaltende
weltweite Kampagnen zur Freilassung
von Nelson Mandela und der Abschaffung
der Apartheid. Dazwischen lagen
Segnungen mit Menschen, die in NSKonzentrationslagern
inhaftiert waren,
lagen Besuche von Konzerten mit Miriam
Makeba, einer südafrikanischen
Sängerin, die im Exil leben musste.
Dazwischen lagen Begegnungen und
Erlebnisse mit Töchtern von Nelson
Mandela, die Deutschland bereisten
und auf Solidaritätskundgebungen
sprachen.
Wir Heranwachsenden wurden von
diesen positiven Vorbildern, von diesen
Persönlichkeiten bis ins hohe Alter
hinein stark geprägt und beeinflusst.
1988 erhielt Nelson Mandela den UBMenschenrechtspreis,
wurde aber
gleichzeitig vom damaligen amerikanischen
Präsidenten Ronald Reagan
zum Terroristen erklärt. Das war die
Zeit, als die USA in unzählige kriegerische
Konflikte verstrickt waren. Erst 20
Jahre später wurde diese Erniedrigung
durch Georg Bush sr. Aufgehoben.
Am Tage seiner Entlassung trat Nelson
Mandela vor 120.000 Menschen in So6
veto mit einer klaren Friedens- und
Versöhnungsbotschaft auf. Es war ein
schauriger Ort. Hier verübten die Nationalisten
in der Vergangenheit grausame
Verbrechen.
Nelson Mandela ist es zu verdanken,
dass es zu keinem Bürgerkrieg, zu
keiner blutigen Abrechnung mit dem
Apartheidregime kam.
Nelson Mandela erkämpfte Schritt für
Schritt die Gleichberechtigung der
Schwarzen, der Inder und der Farbigen
in Südafrika. Er stand für die Politik der
Versöhnung.
1991 wurde er ANC-Präsident, 1993
trat eine neue Verfassung in Kraft, die
maßgeblich seine Handschrift trug.
1993 erhielten der südafrikanische
Präsident de Klerk und Nelson Mandela
den Friedensnobelpreis. 1994 gewinnt
der ANC die ersten freien Wahlen
nach über 200 Jahren Repression
und Unterdrückung in Südafrika. Nelson
Mandela wird am 09.Mai 1994
Präsident. Das bleibt er bis zum Jahr
1998. Danach übernimmt er internationale
konflikt- und friedensschlichtende
Missionen.
Zur Aufarbeitung der Apartheidverbrechen,
zur Deeskalierung, zur Aussöhnung
wurden auf maßgebliche Initiative
von Nelson Mandela 1996 Wahrheitsund
Versöhnungskommissionen gegründet.
Es gab über 7.000 Antragsteller.
Etwas mehr als 2.000 wurden amnestiert.
Nelson Mandela
Diese Kommission ist bis heute weltweit
ein einmaliges Projekt und nicht
frei von Kritik.
Nur, in solchen Rahmenbedingungen
war es notwendig, nach Lösungen zu
suchen, im völligen Neuland, die mögliche
Konfrontationen minimierten.
Nelson Mandela ist im Verlauf seines
95jährigen Lebens zu vielen Erkenntnissen
gekommen, hat Falsches korrigiert
und letztendlich für Südafrika und
die Welt wichtige friedliche und soziale
Zeichen gesetzt.
Der Tag am Sonntag war für uns Motivation,
mit unserer inhaltlichen Arbeit
nicht nachzulassen.

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Erstelldatum22.04.2015 11:51:00
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